Verstehen, ohne einverstanden zu sein
Elterngespräche zwischen Scham und Abgrenzung mit dem lösungsorientierten Ansatz
Eltern melden sich schneller, fragen genauer nach und sagen direkt, wenn sie nicht einverstanden sind. Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, keine Schulfrage – aber sie trifft Lehrpersonen an einer Stelle, auf die kaum jemand vorbereitet wurde: das Gespräch, in dem die eigene Kompetenz infrage gestellt wird.
An diesem Kurstag arbeitest du an deinem eigenen Fall. Du lernst, Vorwürfe als Signal zu lesen, die Schamspirale zu unterbrechen, ein Elterngespräch strukturiert zu führen. Weiter lernst du auch, deine Grenzen zu erkennen und zu wahren, wenn sich eine Beziehung vorerst nicht verbessern lässt.
Dieser Kurs gibt einen Einblick in die Weiterbildung «LOA für Lehrpersonen» und die lösungsorientierte Arbeit. Möchtest du den Ansatz über Elterngespräche hinaus vertiefen und in deinem Schulalltag verankern? In der Weiterbildung setzt du dich umfassend mit der lösungsorientierten Haltung auseinander und entwickelst im Austausch mit anderen Lehrpersonen eigene Wege für deine Praxis.
InhalteInhalte
Der Kurstag besteht aus fünf Anstössen. Nach jedem Anstoss arbeitest du an deinem eigenen Fallbeispiel weiter.
- Was verbindet, was macht zu. Ein Kartenset mit vierzig Varianten derselben Botschaft an die Eltern. Du liest vor, die anderen antworten aus Elternsicht. Danach wird analysiert, worin sich die Formulierungen in Struktur und Wirkung unterscheiden – die Regeln entstehen im Raum, nicht auf der Folie.
- Das lösungsorientierte Elterngespräch. Ein Ablauf in acht Schritten, zu jedem Schritt konkrete Formulierungen. Das Kind ist dabei und hat den grössten Sprechanteil, die Eltern sind Experten für ihr Kind, die Skalafrage steht im Zentrum.
- Die Schamspirale unterbrechen. Vorwurf, Scham, Gegenvorwurf: Du lernst, den Mechanismus zu erkennen, die eigene Reaktion zu regulieren (Sieben-Sekunden-Regel), Scham beim Gegenüber zu reduzieren und aus dem Vorwurf den Wunsch herauszuholen, der dahintersteht.
- Ein eigener Schwerpunkt. Fünf Richtungen stehen zur Wahl: Scham im Gespräch reduzieren, mit anderen Ohren zuhören, gewaltfrei kommunizieren, mit Grenzverletzungen und Erwartungen umgehen oder das Bündnis mit den Eltern stärken. Du wählst, womit du dich vertiefst. Was du dabei für deine Praxis entdeckst, bringst du in die Gruppe zurück.
- Abgrenzung. Wenn eine Beziehung nicht mehr zu retten ist: knapp und sachlich kommunizieren, Energie schützen, für sich einstehen, Team und Schulleitung beiziehen. Das ist keine Niederlage, sondern eine Rollenklärung.
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Datum und OrtDatum:
- Samstag, 20. März 2027, 9.00–16.00 Uhr
Ort:
- Werkschule Grundhof, Stadel bei Seuzach
Anreise mit dem Auto:
- Parkplätze beim Grundhof vorhanden.
Anreise mit dem ÖV:
- Abholung am Bahnhof Seuzach um 8.40 Uhr, Rückfahrt ab Grundhof um 16.05 Uhr. Empfohlene Verbindung: Zürich HB ab 8.01 Uhr, an Seuzach 8.37 Uhr – zurück ab Seuzach 16.22 Uhr, Zürich HB an 16.58 Uhr.
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LeitungFelix Haas
Sekundarlehrer und LOA-Trainer ZLB Schweiz.
Über zwanzig Jahre Schulerfahrung. Autor des Kartensets «Lösungsorientiertes Elterngespräch». |
Philosophie & ZielgruppePhilosophie
Der lösungsorientierte Ansatz stellt eine Annahme an den Anfang: Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Auch dann, wenn ihr Verhalten uns stört, unangemessen wirkt oder verletzt. Wer diese Annahme ernst nimmt, liest Widerstand nicht als Angriff, sondern als Signal – und wechselt in eine Haltung des Nichtwissens: Was ist diesen Eltern wichtig? Woran würden sie merken, dass sich etwas verbessert hat?
Es gibt zwei Arten zu verstehen. «Ja, Sie haben recht» ist die eine. «Ja, so kann man das auch sehen» ist die andere. Die zweite reicht in den meisten Elterngesprächen – und sie kostet nichts.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Scham. Sie ist das Gefühl, das Elterngespräche am häufigsten kippen lässt, und sie wird selten benannt. Wer sie erkennt, bei den Eltern und bei sich selbst, kann die Eskalation unterbrechen, bevor sie beginnt.
Und drittens gehört zur Professionalität, die eigene Grenze zu kennen. Nicht jede Beziehung lässt sich retten. Dann ist es richtig, sich zu schützen und Unterstützung zu holen – statt weiter Energie in ein Gespräch zu investieren, das nicht mehr geführt werden kann.
Zielgruppe
Lehrpersonen aller Stufen, Schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, Schulleitungen, Schulsozialarbeit – alle, die Elterngespräche führen und dabei manchmal an Grenzen kommen. Der Kurs eignet sich auch für zwei Personen aus demselben Schulhaus: Abgrenzung gelingt leichter, wenn das Team dieselbe Sprache spricht. |
ArbeitsweiseAm Morgen beschreibst du eine eigene herausfordernde Situation mit Eltern in zwei, drei Sätzen und ordnest ihre Elemente nach den Einflussbereichen Kind, Familie, Schule und Umfeld. Dieses Fallbeispiel begleitet dich durch den Tag.
Die fünf Anstösse wechseln zwischen kurzen Inputs, eigenen Erfahrungen und Fallarbeit: Experimente mit Kartensets, Rollenspiele mit Vorlagen für ein echtes Elterngespräch, Vorwurfskarten, an denen du übst, aus einem Vorwurf einen Wunsch zu machen, Textarbeit in Experten- und Austauschgruppen – und zwischendurch eine Geschichte.
Nach jedem Anstoss gehst du zurück in dein Fallbeispiel. Am Ende des Tages nimmst du es bearbeitet mit nach Hause: mit einer Vermutung, welcher Wunsch hinter der Kritik dieser Eltern steht, mit zwei, drei Fragen, um ihn zu erkunden, mit einem gangbaren Weg – und mit dem Wissen, wo deine Verantwortung endet. |
Kosten & VoraussetzungenKosten:
- CHF 330.– inkl. Kursunterlagen und Zwischenverpflegung.
Mittagessen:
- Du kannst dein Mittagessen mitbringen und im Grundhof essen, oder du gehst in eines der Restaurants in der Nähe. Wer lieber gemeinsam kocht: Das organisieren wir vorgängig – gib es bei der Anmeldung an.
Voraussetzungen:
- Keine. Du bringst ein eigenes Fallbeispiel mit; eine kurze Vorbereitungsaufgabe erhältst du mit der Anmeldebestätigung.
Teilnehmende:
Anmeldeschluss:
Bestätigung:
- Du erhältst eine Teilnahmebestätigung über 6 Stunden Weiterbildung.
- Es gelten die AGB von ZLB Schweiz.
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