Zwanzig Möglichkeiten statt zwei
Mehr Handlungsspielraum bei herausforderndem Schülerverhalten – mit dem lösungsorientierten Ansatz
Kinder, die stören, provozieren, verweigern – und morgen wieder. Das Schwierige daran ist nicht das Verhalten, sondern dabei kein Feindbild aufzubauen. Denn wenn die Wut bleibt, leidet die Beziehung, und ohne Beziehung wirkt keine Massnahme mehr. Gleichzeitig kann es nicht auf deine Kosten gehen: Verständnis allein ist keine Handhabe.
An diesem Kurstag arbeitest du an deinem eigenen Fall. Du lernst, wie das Motiv, das du einem Kind unterstellst, deinen Handlungsspielraum bestimmt – und wie du ihn erweiterst. Mit dem guten Grund, mit Fragen statt Ansagen, mit einem Rahmen, der hält, ohne dass du kämpfen musst.
Dieser Kurs ist Teil der Weiterbildung «LOA für Lehrpersonen» und gibt dir einen Einblick in die lösungsorientierte Arbeit. Möchtest du den Ansatz über herausforderndes Schülerverhalten hinaus vertiefen und in deinem Schulalltag verankern? In der Weiterbildung setzt du dich umfassend mit der lösungsorientierten Haltung auseinander und entwickelst im Austausch mit anderen Lehrpersonen eigene Wege für deine Praxis.
InhalteInhalte
Der Kurstag hat sechs Stationen. Dein eigenes Fallbeispiel begleitet dich durch alle.
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Der gute Grund. Jeder Mensch macht in diesem Moment das für ihn Bestmögliche – auch das Kind, das dich zur Weissglut bringt. Am Beispiel von Michel aus Lönneberga, seinem Vater und einem Fahnenmast wird sichtbar, wie das unterstellte Motiv deine Möglichkeiten bestimmt. Wer Boshaftigkeit unterstellt, hat zwei Optionen. Wer einen guten Grund unterstellt, hat zwanzig.
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Die Wahrnehmung. Wahrnehmung ist selektiv; wir sind Bildhauer unserer Wirklichkeit. Ein Experiment zum positiven und negativen Menschenbild und ein Gedankenexperiment zeigen: Nicht dein Bild vom Kind formt sein Verhalten, sondern das Bild, von dem das Kind glaubt, dass du es hast. Und das kannst du beeinflussen – durch Umgang, Kommunikation und den Blick auf Ausnahmen und Mikroerfolge.
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Die Wirkungsunsicherheit. Jeder baut seine eigene Wirklichkeit. Deshalb weisst du nie, wie eine Massnahme beim Kind ankommt. Ein Experiment mit einer vorgelesenen Geschichte macht das erfahrbar – und zeigt, warum Fragen weiterführen als Ansagen.
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Der Rahmen. Eine andere Wirklichkeit heisst nicht, dass alles geht. Wenn ein Kind den Rahmen verlässt, ist das Ziel, es zu befähigen, wieder hineinzufinden. Neue Autorität und lösungsorientierter Ansatz ergänzen sich: Fokus aufs Lernen, Netzwerk, Präsenz, Beharrlichkeit – das Eisen schmieden, wenn es kalt ist – und die Grenze, an der andere geschützt werden müssen.
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Die vier Hüte. Aufmerksamkeit, Machtwille, Rache, Entmutigung: vier Motive hinter störendem Verhalten aus der positiven Disziplin. Zu jedem Hut gehören andere Sätze und ein anderes Verhalten der Lehrperson – eine Struktur, die hilft, im Moment das Passende zu tun.
- Das Training. Dreissig konkrete Situationen aus dem Schulalltag, vier Karten dazu: Welche Fähigkeit braucht das Kind? Was will es? Welche Stärke steckt im Verhalten? Was brauche ich – und wie sage ich es gewaltfrei? In Gruppen, an echten Fällen, bis das Umdeuten nicht mehr Theorie ist, sondern Reflex.
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Datum und OrtDatum:
- Samstag, 22. Mai 2027, 9.00–16.00 Uhr
Ort:
- Werkschule Grundhof, Stadel bei Seuzach
Anreise mit dem Auto:
- Parkplätze beim Grundhof vorhanden.
Anreise mit dem ÖV:
- Abholung am Bahnhof Seuzach um 8.40 Uhr, Rückfahrt ab Grundhof um 16.05 Uhr. Empfohlene Verbindung: Zürich HB ab 8.01 Uhr, an Seuzach 8.37 Uhr – zurück ab Seuzach 16.22 Uhr, Zürich HB an 16.58 Uhr.
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LeitungFelix Haas
Sekundarlehrer und LOA-Trainer ZLB Schweiz.
Über zwanzig Jahre Schulerfahrung.
Mitautor der Schrift «Lernen oder Leiden?» (Band 4 der ZLB-Reihe «Einfach, aber nicht leicht»). |
Philosophie & ZielgruppePhilosophie
Der lösungsorientierte Ansatz stellt eine Grundannahme an den Anfang: Jeder Mensch macht in diesem Moment das für ihn Bestmögliche. Hinter jedem Verhalten steht ein guter Grund – nicht ein richtiger, aber ein nachvollziehbarer. Die Frage «Warum hast du das gemacht?» drängt ein Kind in die Verteidigung. Die Annahme «Du hast bestimmt einen guten Grund gehabt» öffnet ein anderes Gespräch.
Was du einem Kind unterstellst, bestimmt, was du tun kannst. Das ist die zentrale Einsicht des Tages. Sie macht das Verhalten nicht kleiner, aber sie macht deinen Handlungsspielraum grösser.
Und sie ersetzt den Rahmen nicht. Die Neue Autorität sagt: Ich bin da, auch wenn es schwierig wird – du bist mir zu wichtig, als dass ich dir das durchgehen lasse. Der lösungsorientierte Ansatz sagt: Ich bin neugierig, was für dich möglich ist. Zusammen ergibt das Präsenz ohne Kampf. Und es gibt Situationen, in denen andere geschützt werden müssen – auch das gehört zur Professionalität.
Zielgruppe
Lehrpersonen aller Stufen, Schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen, Schulleitungen, Schulsozialarbeit – alle, die mit herausforderndem Verhalten zu tun haben und dabei die Beziehung nicht verlieren wollen. Der Kurs eignet sich besonders für zwei oder drei Personen aus demselben Schulhaus: Ein Rahmen hält, wenn das Kollegium gleich reagiert. |
ArbeitsweiseAm Morgen beschreibst du ein eigenes Fallbeispiel: eine Situation mit einem Schüler oder einer Schülerin, die schwierig war, in der du wenig Handlungsoptionen hattest oder besonders frustriert warst. Dieses Fallbeispiel begleitet dich durch alle sechs Stationen und wird jedes Mal aus einer anderen Perspektive angeschaut.
Die Stationen wechseln zwischen kurzem Input, eigener Erfahrung, Austausch und Fallarbeit: ein Filmausschnitt, Experimente zur Wahrnehmung, ein Gedankenexperiment, Kartensets, Gruppenarbeit an dreissig konkreten Situationen – und zwischendurch eine Geschichte.
Am Ende des Tages nimmst du deinen Fall bearbeitet mit nach Hause: mit einem anderen Motiv, das du dem Kind unterstellst, mit einer Fähigkeit statt eines Problems, mit drei Fragen für dieses Kind, mit einem Satz für den Moment, in dem es kippt – und mit der Klarheit, was du tragen musst und was das Team trägt. |
Kosten & VoraussetzungenKosten:
- CHF 330.– inkl. Kursunterlagen und Zwischenverpflegung.
Mittagessen:
- Du kannst dein Mittagessen mitbringen und im Grundhof essen, oder du gehst in eines der Restaurants in der Nähe. Wer lieber gemeinsam kocht: Das organisieren wir vorgängig – gib es bei der Anmeldung an.
Voraussetzungen:
- Keine. Du bringst ein eigenes Fallbeispiel mit; eine kurze Vorbereitungsaufgabe erhältst du mit der Anmeldebestätigung.
Teilnehmende:
Anmeldeschluss:
Bestätigung:
- Du erhältst eine Teilnahmebestätigung über 6 Stunden Weiterbildung.
- Es gelten die AGB von ZLB Schweiz.
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